21.04. in Halle: Arbeitserfahrung bei „Socialisme ou Barbarie“

Andrea Gabler

Arbeitserfahrung bei „Socialisme ou Barbarie“

Die Gruppe „Socialisme ou Barbarie“ war eine wichtige Anregerin der Neuen Linken und des Mai ’68 in Frankreich. Auch andere internationale Strömungen wie der italienische Operaismus, der angelsächsische Autonomist Marxism oder libertäre Gruppierungen haben sich von den Ideen von „Socialisme ou Barbarie“ inspirieren lassen.

1949 von Cornelius Castoriadis, Claude Lefort und anderen gegründet, hat „Socialisme ou Barbarie“ bis Mitte der 1960er Jahre Theorien und Konzepte entwickelt, die bis heute nichts von ihrer Frische und Originalität verloren haben. Dies trifft insbesondere für die Arbeitsanalysen der Gruppe zu. Das von ihr entwickelte Konzept der „témoignages“ – Erfahrungsberichte aus dem Arbeitsalltag und deren politische Interpretation – war der Versuch, Arbeitserfahrungen im modernen Kapitalismus authentisch zu artikulieren, theoretisch zu reflektieren und zu politisieren. Die einzelnen Arbeitenden selbst wurden ermutigt, Arbeit und Betrieb zu beschreiben und zu analysieren. Anknüpfend an die stets vorhandenen Keime der Selbstorganisation in der Arbeit soll daraus eine autonome Arbeitspolitik entwickelt werden. Ziel dieser Politik war für „Socialisme ou Barbarie“ nicht nur die betriebliche, sondern die verallgemeinerte direkt-demokratische Selbstverwaltung durch Räte.

Dieser Vortrag stellt den Ansatz von „Socialisme ou Barbarie“ vor und fragt nach möglichen Anregungspotentialen für die politische Praxis heute.

Andrea Gabler ist Soziologin, Arbeitsschwerpunkte: Soziologie der Arbeit, Geschichte der radikalen Linken, Politische Theorie.
In diesen Tagen erschienen: „Antizipierte Autonomie. Zur Theorie und Praxis der Gruppe „Socialisme ou Barbarie“ (1949-1967)“ (Offizin Verlag Hannover).

Dienstag, 21. April 2009, 19 Uhr in den Räumen von Radio Corax, Unterberg 11, 06108 Halle

www.radiocorax.de